Letzte Fassung

Regisseur Jan Sverak: "Wie Papa versprochen hatte, setzte er sich ein letztes Mal an das Drehbuch zu LEERGUT. Er brauchte dafür fast ein ganzes Jahr, aber es hat sich gelohnt! Die neue Fassung war nicht mehr einfach nur über einen älteren Mann, der wild entschlossen ist zu arbeiten und gegen Windmühlen zu kämpfen. Nun wurde die Rolle seiner Frau viel stärker herausgestellt. Er hat jetzt jemanden zu Hause, vor dem er flüchtet – ein zuvor unerforschter Beweggrund. Die Geschichte blieb komisch, aber ich finde, dass der Humor jetzt vor realistischem Hintergrund viel besser greift. Und Papas Schilderung einer langen Ehe geht in die Tiefe, wo es weh tut. Diese ehrlichen Gefühle sind es, die in den früheren Fassungen fehlten."

Gute alte Zeit

Autor und Hauptdarsteller Zdenek Sverák: "Josef ist ein 65jähriger Lehrer, der weder mit der Arbeit noch der Liebe aufhören will. Das Alter hat ihn bei einem Nickerchen erwischt; er kommt nicht mehr wie früher mit seinen Schülern zurecht. Aber daheim bei seiner Frau zu bleiben kommt ihm auch eintönig vor, obwohl es falsch wäre zu sagen, dass er sie nicht mag. Also bemüht er sich, etwas zu tun, und nimmt einen Job bei der Leergutannahme im Supermarkt an – und merkt, dass er die Leute durch das kleine Fensterchen seiner Kammer kennen lernen kann. Mitten in dem anonymen geschäftigen Laden hat er ein Refugium aus der guten alten Zeit gefunden, wo sich die Leute sagen, wie gut sie aussehen, und nach den Kindern fragen. Darum macht ihn dieser Ort so glücklich."

Trilogie der Lebensalter

Jan Sverák: "Papa ist am besten, wenn er über selbst Erlebtes schreibt, und die Drehbücher zur Trilogie der Lebensalter VOLKSSCHULE – KOLYA – LEERGUT vermessen sein Leben. VOLKSSCHULE erinnert sich an seine Kindheit, KOLYA schildert das Erwachsenenalter und LEERGUT spiegelt das Alter. Als Junge sucht er in VOLKSSCHULE sein männliches Vorbild, in KOLYA übernimmt er die Verantwortung für einen Menschen, der ganz und gar von ihm abhängt, und erwirbt dadurch die Reife eines Erwachsenen, und in LEERGUT versucht er, mit dem Alter und seiner schlussendlichen Sterblichkeit seinen Frieden zu machen. Das ist vielleicht die größte Herausforderung, und darum hat es mir eine solche Freude bereitet, diesen Film zu machen. Auf den „letzten Metern“ stellt sich unser Held Fragen, auf die wir auch keine befriedigenden Antworten haben, weil wir es nicht fertig bringen, uns mit dem Tod zu versöhnen, solange wir noch leben. Und diese ernste Thema fließt durch unseren fröhlichen Film, eine unsichtbare unterirdische Strömung in steter Spannung zu dem, was auf der Oberfläche vor sich geht."

Die weibliche Hauptrolle

Jan Sverák: "Man hat unseren früheren Filmen vorgeworfen, weibliche Figuren oberflächlich zu zeichnen. Diesmal gab es eine Rolle für Daniela Kolarova, die große Tiefe besitzt; wir erleben, wie sich ihre Figur entwickelt und verändert. Erst ist sie so steif, dass man eine Gänsehaut bekommt, dann freundet man sich allmählich mit ihr an und am Ende mag man sie. Ein schöner Prozess! Die Rolle wurde nicht eigens für Daniela Kolarova geschrieben. Wir suchten nach einer Schauspielerin, die Eleganz besitzt und zugleich ungefähr gleich alt wie Papa ist, dass nicht etwa der Eindruck entsteht, das sei seine zweite Ehe; und sie sollte Charme und Witz haben. Daniela erwies sich als beste Besetzung. Und da sie schon einmal vor dreißig Jahren Papas Frau gespielt hatte, in Jiri Menzels NA SAMOTE U LESA, hatten wie „echte“ Fotos von beiden aus der Zeit, als sie jung waren, um damit das Wohnzimmer zu dekorieren."

Zdenek Sverák: "Dana bewies mir schon damals, wie gut sie meine Frau spielen kann. Und damals wie heute hat mich meine eigene Frau – Jans Mutter – zu ihren Dialogsätzen inspiriert. Dana hat der Figur genau die richtige Haltung und den passenden Ton verliehen. Als ich das Drehbuch schrieb, konnte ich nicht wissen, ob Dana die Rolle spielen würde, aber ich glaube, ich habe unbewusst ihre Intonation gehört."
Daniela Kolárová: "Diese Art von Humor passt mir sehr gut – Zdeneks Gespür für Humor, der nicht grob ist, sondern feinsinnig."

Comebacks

In einem gewissen Sinn ist LEERGUT ein Film über Comebacks in mehrfacher Bedeutung. So ist Josef ein „Grüßer“, also ein Mann, der seine Frau gerne begrüßt. Aber, wie er es ausdrückt, man kann niemanden begrüßen, ohne sich zunächst von ihm zu verabschieden. Dann ist Zdenek Sveraks Wiedererscheinen auf der Leinwand ein Comeback: „Mein Vater hat zuletzt vor zehn Jahren in meinem KOLYA in einem Film mitgespielt“. Und schließlich ist die wiederhergestellte „Ehe“ von Daniela Kolarova und Zdenek Sverak ein Comeback:

Daniela Kolárová: "Ich habe mich beim Dreh von LEERGUT sehr wohl gefühlt. Obwohl ich Zdenek viele Jahre nicht gesehen hatte, kam es mir so vor, als könnten wir genau da weitermachen, wo wir für dreißig Jahren unser Gespräch unterbrochen hatten. Mir gefiel an der Geschichte, dass sie von Leuten handelt, die sich fragen, ob sie weiter arbeiten sollen oder in Rente gehen sollen – und was sie dann im Ruhestand machen wollen, wie sie leben werden. Wir wissen allen, dass uns diese Phase bevorsteht, aber wir zögern sie immer noch ein bisschen hinaus und weigern uns, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Und das Allerwichtigste: Ich war begeistert davon, dass das ein Film über die Liebe ist, dass man – auch wenn sie sich in allerlei Träumereien und Fantasien ergehen – die gegenseitige Zuneigung der beiden spüren kann."


Impressum | Website: Sven Barletta